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Glückskatze JOLIE - oder: "Vom Sinn und Zweck eines Mikrochips"

 
 
 

Glückskatze JOLIE

Im Mai 2010 zog JOLIE bei uns ein, eine Strandkatze aus Zypern, die wir dort während unseres Oster-Urlaubs kennengelernt und aus dem Elend gerettet hatten. Diese Katze und meine Tochter Nadja, damals 11 Jahre alt, waren bereits im Hotel unzertrennlich und es war kein großes Problem, die Katze von dort ganz legal nach Deutschland fliegen zu lassen.

Seit dieser Zeit war JOLIE in unserem Haus am Stadtrand zu Hause, gewöhnte sich dort problemlos ein, war nach wenigen Tierarztbesuchen kerngesund und wurde ein heißgeliebtes neues Familienmitglied.

JOLIE durfte nach einer längeren Eingewöhnungszeit im Sommer ins Freie, d.h. in unserem Garten und in unserer Siedlung herumlaufen und die deutsche Sommersonne genießen, so oft sie wollte. Alles hätte immer so bleiben können und alle waren glücklich.

Der Herbst kam und eines Abends verschwand JOLIE spurlos. Sie flutschte spät abends mit durch die Haustür, als ich mit den Hunden die Abendrunde gehen wollte, und sie kam einfach nicht wieder. Am nächsten Tag unternahm ich noch nichts weiter, als die Katze überall zu suchen und zu rufen, aber niemand hatte sie gesehen, obwohl alle Nachbarn sie kannten.

 
 
 

Am übernächsten Tag begann ich mir natürlich ernsthaft Sorgen zu machen und fing an zu telefonieren: ich rief die örtliche Polizei an, natürlich auch das Wittener Tierheim, aber auch das Bochumer Tierheim, denn Katzen halten sich nun mal nicht an Ortsgrenzen. Ich rief alle 6 Wittener Tierärzte sowie zwei ortsnahe Tierarztpraxen an, um eine Notiz mit der Beschreibung unserer vermissten Katze zu hinterlassen. Und natürlich benachrichtigte ich TASSO e.V. und gab eine Suchmeldung heraus, denn JOLIE war selbstverständlich gechipt. Außerdem war sie so außergewöhnlich gezeichnet, dass sie leicht zu identifizieren wäre. Ich rief ebenfalls das Wittener Stadtreinigungsamt an, da von den Mitarbeitern dort immer wieder mal überfahrene Tiere eingesammelt und entsorgt werden, doch JOLIE war nicht aufgefunden worden.

Vor Ort fuhr ich sämtliche Straßen auf und ab und suchte intensiv am Straßenrand/Graben nach JOLIE ... war unendlich froh, sie dort nicht überfahren zu finden und hängte an unzähligen Laternenmasten ein Tasso-Suchplakat mit einem Foto von JOLIE auf. Das Schlimmste war, dass es einen Tag nach dem Verschwinden von JOLIE geschneit hatte und somit einfach alles weiß war und ich wußte, dass diese Katze weder Kälte noch Schnee kannte und wahrscheinlich dadurch noch zusätzlich litt. Außerdem verwischte der Schnee alle Spuren und Gerüche und erschwerte sicher die Orientierung ...

Doch war JOLIE überhaupt noch draußen? Vielleicht hatte sie jemand mitgenommen?

So entschieden wir uns, noch zusätzlich eine Zeitungsannonce aufzugeben und auch eine Belohnung auszusetzen, wenngleich das sehr umstritten ist. Darauf meldeten sich zwei Menschen, die aber jeweils eine ganz andere Katze gefunden hatten - falscher Alarm!

Irgendwann, nach vielen Wochen des völlig vergeblichen Suchens und Wartens, fanden wir uns mit der Situation ab: unsere heiß geliebte JOLIE war weg und würde wohl auch nicht wiederkommen. Diese Erkenntnis war bitter und es flossen viele Tränen, aber für mich war besonders schlimm, nicht zu wissen, was für ein Ende JOLIE genommen hatte. Im Internet stieß ich auf Aussagen, dass mitunter in Winterzeiten auch Eulen oder Füchse sehr wohl Katzen töten und fressen würden, wieder andere meinten, das sei Unsinn.

Oder saß JOLIE doch irgendwo im Warmen und jemand hielt diese Katze fest, wollte sie einfach behalten, weil sie so lieb und so schön war?

So vergingen knapp 5 Jahre und nie wieder haben wir von JOLIE gesehen oder gehört.

 
 
  Glückskatze JOLIE   
 
 

Und dann geschah das Unglaubliche - unser "kleines Wunder": Ich fuhr an einem Samstagmittag die Straße entlang, auf dem Weg zum Supermarkt, ca. 1,5 km von unserem Haus entfernt. Und da war sie plötzlich: Unsere JOLIE saß auf einem Parkplatz, ca. 10 Meter von der Straße entfernt! Ich wußte sofort, dass es MEINE Katze war, hielt an, stieg aus und näherte mich vorsichtig. Doch ich kam nicht dazu, JOLIE zu greifen, sie ließ mich nicht dichter heran als 2-3 Meter. Mein Herz pochte vor Freude und Aufregung ganz fürchterlich und doch war ich gerade völlig hilflos. Ich wußte nur eins: ich durfte die Katze nun nicht mehr aus den Augen verlieren. So folgte ich ihr über eine Stunde. Sie saß mal hier und mal dort, lief unter Autos her und in verschiedene Gärten, über drei Straßen und Hinterhöfe. Sie schien es nicht eilig zu haben, kannte sich offensichtlich aus und wirkte weder verstört noch hungrig, sondern hielt mich lediglich "auf Abstand". Auf einmal lief JOLIE dann durch eine Hecke über einen kleinen Hinterhof und verschwand in einem geöffneten Fenster, das direkt hinter ihr geschlossen wurde.

Aha! JOLIE wohnte also jetzt in jenem gelben Haus an einer Hauptverkehrsstraße. Ich lief um das Haus herum und klingelte bei den Leuten. Es machte genau die Frau auf, die vorher das Fenster geschlossen hatte. Ich stellte mich mit Namen vor und fragte sie so höflich ich konnte, wem denn diese Katze gehörte. "Die gehört mir, die ist mir vor 4 Jahren zugelaufen, warum?" "Weil das meine Katze ist", erwiderte ich und begann, die ganze Geschichte zu erzählen.

Doch davon wollte die Dame zunächst nichts wissen und auch nichts glauben, betonte dass sie mir die Katze keinesfalls wiedergeben würde und das alles sowieso "längst verjährt sei". Von dem Mikrochip wusste sie nichts, weil sie auch zugab, in all den Jahren nicht einmal beim Tierarzt gewesen zu sein, der den Chip natürlich gefunden hätte. Immerhin hätte sie aber Zettel im Ortsteil aufgehängt, und auch am Kiosk, wo sie arbeitete, einen Aushang gemacht - "Katze gefunden". Ich erwähnte noch, dass Katzen bekanntlich sehr weit laufen und es keinesfalls ausreichend wäre, nur ein paar Zettel an Laternenmasten anzupinnen.

Wieder zu Hause begann ich natürlich, mir alle möglichen Gedanken zu machen und mir wurde schnell klar, dass ich auch die Rechtslage nicht genau kannte, obwohl ich seit Jahren im Tierschutz aktiv war und schon viele gechipte und ungechipte Katzen gefunden hatte. Zunächst wandte ich mich an das Tasso-Haustierregister und konnte herausfinden, das dort JOLIE mit ihrer Chipnummer und meiner Adresse immer noch als vermisst registriert war.

Dann sprach ich mit unserer Rechtsanwältin vom ETN, die mir erklärte, was der Finder einer Katze (bzw. eines Haustieres) tun oder lassen musste. Danach war mir klar, dass die Finderin von JOLIE ihrer Meldepflicht für eine "Fundsache" (das Tier ist in dem Fall leider immer noch eine Sache) definitiv nicht ordnungsgemäß nachgekommen war. Sie hätte den Fund einer "amtlichen Behörde" melden müssen, das wäre z.B. die Polizei, das städtische Tierheim oder ansässige Tierschutzvereine gewesen.

Da dies alles versäumt wurde, konnte der Mikrochip meiner Katze nirgendwo entdeckt und ausgelesen werden. Jeder Tierarzt und jedes Tierheim und inzwischen auch die örtliche Polizeidienststelle in Witten (vielleicht aber nicht jede Polizeistelle???) hätten in Sekundenschnelle JOLIE's Chipnummer mit dem Scanner gelesen und bei Tasso nachgefragt. So wäre im Normalfall meine Katze innerhalb weniger Stunden wieder bei mir gewesen. Wenn dies alles aber nicht geschieht, dann kann ich von meiner Seite nichts tun, da alles in den Händen des Finders liegt.

Am nächsten Tag entschied ich mich, Anzeige wegen Diebstahl zu erstatten und benachrichtigte auch die Dame darüber, dass ich mich zu "juristischen Schritten" entschlossen hätte, da ich zweifelsfrei beweisen könnte, dass JOLIE meine Katze war. Auch JOLIE's Impfpass war immer noch vorhanden und bewies samt dem Foto, der Beschreibung und der Chipnummer, dass JOLIE mir gehörte. Da muß die Dame nervös geworden sein und beschloss selbst, zu einem Tierarzt zu fahren. Dem erzählte sie die ganze Geschichte und der Tierarzt ließ ordnungsgemäß die Chipnummer von JOLIE bei Tasso überprüfen. Natürlich erschien ich sofort als Besitzerin der Katze, und nachdem der Tierarzt die Dame über die eindeutige Rechtslage aufgeklärt hatte, beschloss die Dame, JOLIE in der Praxis zu lassen, damit ich sie dort abholen könnte.

 
 
 

Als Montagabend der Anruf von Tasso kam, dass ich meine Katze in der Tierarztpraxis xxx abholen könnte, war ich außer mir vor Freude und Überraschung, war ich doch mental schon auf einen längeren juristischen Streit mit der uneinsichtigen Finderin meiner Katze eingerichtet.

Nun ist JOLIE wieder bei uns und ihre lange Reise hat ein Ende. Erst mal lassen wir sie nun nicht mehr hinaus, zu groß ist die Angst, dass sie wieder wegläuft und nicht zurück findet oder herumstreunt ... Der Besuch bei unserem Haustierarzt ergab keine Erkrankung, jetzt ist JOLIE endlich auch wieder frisch geimpft und entwurmt, was ja fast 5 Jahre lang versäumt worden war. Ich nahm noch einmal Kontakt zu der Dame auf, bei der JOLIE nun so lange gewohnt hatte und bedankte mich für ihre späte Einsicht, bot ihr auch an, dass Sie JOLIE gern mal in ihrem "richtigen Zuhause" besuchen und sehen könnte, dass es ihr hier sehr gut ging.

Während dieser Unterhaltung kam auch noch die Frage auf, warum ich denn JOLIE erst nach so langer Zeit draußen zufällig entdeckt hatte, obwohl ich diese Straße sehr häufig entlang gefahren bin. Da erzählte mir die Dame, dass sie JOLIE die ersten Jahre gar nicht raus gelassen hätte, erst vor einiger Zeit hätte sie massiv ins Freie gewollt, so dass sie angefangen hätte, sie durch das Fenster nach hinten raus auf den Hof zu lassen. So wurde mir nun klar, dass ich vorher JOLIE also nicht hätte entdecken können ...

Glückskatze JOLIE

 
 

 
 

Unsere unglaubliche aber wahre Geschichte von JOLIE steht nun auch im Magazin Respektiere des ETN e.V. (Europäischer TIER- und NATURSCHUTZ e.V., etnev.de).

 
 

 
 

Resümee

Die Geschichte des Verschwindens und Wiederfindens meiner Katze hat so viele Fragen aufgeworfen, dass ich diese Gelegenheit einfach dazu nutzen möchte, das Wichtigste für alle Finder und Verlierer von Katzen (und auch Hunden!) zusammenzufassen, in der Hoffnung, damit etwas mehr Klarheit für alle zu schaffen und bestenfalls sogar dazu beizutragen, dass andere Tiere effektiver gesucht und gefunden werden können.

Was ist genau ein Mikrochip?
Ein Mikrochip, auch Transponder genannt, ist ein ca. 12 mm langes elektronisches Kleinteil, welches vom Tierarzt in die linke Halsseite des Tieres unter die Haut gespritzt wird, was im Allgemeinen schmerzfrei ist. Jeder Chip hat einen weltweit einmaligen 15-stelligen Zifferncode, mit dem ein Tier eindeutig identifiziert werden kann. Der Chip sitzt lebenslang unsichtbar unter der Haut des Tieres und kann mit Hilfe eines Lesegerätes (Scanner) ausgelesen werden. Er ist für das Tier vollkommen ungefährlich und kostet einmalig 25-40 Euro bei der Implantation. Was vielen jedoch immer noch nicht klar ist: Erst nach erfolgter Anmeldung (durch den Besitzer oder Züchter) des Tieres mit seiner Chipnummer bei einer Haustierdatenbank (in Deutschland sind das Tasso e.V. und das Deutsche Haustierregister) ist eine Zuordnung zu seinem Besitzer erfolgt, d.h. diese erfolgt nicht irgendwie automatisch beim Chippen! Dies muß deshalb erwähnt werden, weil immer wieder gechipte Tiere aufgefunden werden, deren Chip aber nirgendwo registriert ist, so dass keine Zuordnung zum Besitzer des Tieres möglich ist. Erstaunlicherweise wissen viele Menschen, die keine Haustiere besitzen, noch immer nichts über einen Mikrochip zur Registrierung und kennen lediglich die alten Methoden zur Kennzeichnung von Tieren: Brandzeichen, Ohrmarken, Vogelringe und natürlich Tätowierungen, die auch heute noch üblich sind, jedoch alle verschiedene Nachteile haben und unterschiedich schmerzhaft sind.

Was muss und was sollte der Finder einer Katze bwz. eines Hundes tun?
Wenn ein Tier draussen aufgefunden wird, und es nicht verletzt oder krank ist (was einen sofortigen Tierarztbesuch unumgänglich macht!), dann sollte es zunächst mit Futter und Wasser versorgt werden. Danach kann man in Ruhe nach einer Kennzeichnung schauen, oft stehen Telefonnummern und Adressen in Halsbändern oder im Geschirr oder es sind die Ohren tätowiert. Findet man jedoch keine Telefonnummer und keine Tätowierung, die auch nur ein Fachmann mit Zugang zu Datenbanken lesen kann, dann muß das Fundtier auf eine Mikrochip-Kennzeichnung hin untersucht werden. Beides - Tätowierung und Chip lesen - kann am besten ein Tierarzt oder ein Tierheim.
Nun gibt es drei Möglichkeiten:
A. Das Tier ist gechipt, der Besitzer hat das Tier mit dieser Chipnummer angemeldet und ist dadurch sofort ausfindig zu machen, meist telefonisch, manchmal auch auf dem Postweg (Tasso schreibt den Tierhalter auch an).
B. Das Tier ist zwar gechipt, aber es ist keine Zuordnung zu einem Besitzer möglich. Wie ist das möglich? Das kommt leider häufig vor und passiert dann, wenn der neue Besitzer eines Tieres es nicht bei Tasso oder einem anderen Haustier-Register anmeldet und diese Zuordnung Chip-Tier-Besitzer herstellt. Manche Besitzer vergessen das zu machen oder wissen es einfach gar nicht, z.B. wenn der Hund aus dem Tierschutz ist und es ihm nicht erklärt wird.
C. Das Tier ist nicht gechipt, noch tätowiert, was leider immer noch allzu häufig vorkommt. Dann wird es sehr schwierig mit der Suche. Denn graue oder schwarze Katzen gibt es beispielsweise wie Sand am Meer und es ist allein per Beschreibung meistens extrem schwierig, die Tiere genau zu identifizieren, zumal sie kilometerweit laufen können und keinesfalls immer nur in der unmittelbaren Umgebung gefunden werden. Sollte jemand gar das Tier gestohlen oder einfach behalten und "adoptiert" haben, kann der Besitzer nur sehr schwer beweisen, dass ihm das Tier wirklich gehört, selbst wenn er dessen Aufenthaltsort kennt.

Als Fazit gilt:
Nur ein Mikrochip (oft auch Transponder genannt) ist ein klarer Beweis für die Zugehörigkeit eines Tieres und hält auch juristisch Stand. Doch wie meine wahre Geschichte zeigt, ist auch der Chip keine Garantie dafür, dass ein Tier gefunden bzw. zurückgebracht wird, wenn der Finder seiner Pflicht nicht nachkommt und das Tier als gefunden anmeldet und auf den Chip hin überprüfen lässt. Da ist mir spätestens klar geworden, dass ZUSÄTZLICH zum Chip ein Halsband mit Telefonnummer des Besitzers, welches das Tier draussen immer tragen sollte, gewährleisten kann, dass es sehr schnell und einfach und ohne den Umweg über Tierheim/Polizei oder Tierarzt seinem Besitzer zurückgegeben werden kann. Im Gegensatz zum Chip kann das Tier ein Halsband aber verlieren, so dass es allein keineswegs ausreichend ist. Wissen sollte man auch, dass es nach wie vor in Deutschland leider keine Pflicht ist, eine Katze oder einen Hund mit einem Mikrochip zu kennzeichnen, solange man damit nicht ins Ausland fährt (dann ist der Chip seit 2011 Pflicht), mit der Ausnahme von Hunden sog. gefährlicher Hunderassen, die alle gechipt sein müssen.

Selbstverständlich sind ausnahmslos alle Hunde und Katzen, die wir vermitteln, mit einem Mikrochip gekennzeichnet und müssen vom neuen Halter nur umregistriert werden.
s. gechipt geimpft kastriert unter "Ablauf der Vermittlung".

Renate von Heyden-Klaaßen